All das was in mir ist,
nichts anderes kann mir mein Heiligtum sein.
Mein Wunderland, mein Phantasia, mein Tempel.

Ich öffne die Pforten meines Geistes dem fremden Wanderer
und schlage eine Brücke zu meiner Seele,
über das wilde Meer meiner Gefühle.

Ich will mein Schäumen und Tosen teilen.
Ich werde toben in den Köpfen meiner Besucher.

Sei mein Gast.

Dienstag, 23. September 2014

Okkulter Fachjargon Vs sprachliche Klarheit

Okkulter Fachjargon Vs sprachliche Klarheit

 
Eine Entwicklung die ich mit wachsendem Misstrauen verfolge ist die Zunahme von Fachjargon in Okkultismus und Esoterik. Kaum jemand der nicht mit großer Selbstverständlichkeit Worte wie Chakra und Kundalini um sich wirft, fühlt sich nicht in eine krude Eigenwelt geworfen wenn man die magische Szene beäugt. Muss man das alles denn wissen?
Es schafft sicher eine nette sprachliche Spielwiese aber ob man der Übersicht einen guten Dienst leistet stelle ich in Frage.

Dabei denke ich an die Schilderung einer Freundin, die meinte ihrem "höherem Selbst" während eines Traumes begegnet zu sein. Ursprünglich bezeichnete sie diese Erscheinung als goldene Frau, da diese aus einem goldfarben glänzendem Nebel zu bestehen schien.
Schließlich erklärte man ihr dann gnädig womit sie es zu tun hätte.

Die Bezeichnung als Goldfrau empfinde ich jedoch als wesentlich lebendiger und vor allem ehrlich.
Amüsanter weise habe auch ich Erfahrungen mit einer Begegnung einer Figur die aus gelbem Nebel zu bestehen schien. Ob das nun wirklich eine Bedeutung haben mag klammere ich bewusst aus.
Was ich jedoch nicht tun würde ist dies als höheres Selbst zu bezeichnen.
Meiner Meinung nach bilden solche Ausdrücke einfach nur einen sprachlichen Trend in der Esoterik, welcher dem eigentlichen Erlebnis dessen Lebendigkeit und Individualität kostet.

Sobald jemand auf eine Selbstprojektion trifft wird uns diese als höheres Selbst präsentiert.
Einfach weil es so chic ist.
Wenn mir statt dessen eine tierische Gestalt begegnet darf ich mir ebenso sicher sein dass ich mein Totemtier vor mir hätte.
Fein, der Verstand hat seine Erklärung und kann sich endlich ein Bild machen.
Aber ist das wirklich Sinn der Sache?

Den Dingen einen Namen zu geben ist eine menschliche Eigenart die sicherlich ihren Sinn hat.
Aber ob es wirklich in allen Dingen Fachbegriffe braucht um unsere Welt zu erhellen---
Für mich schmeckt das schal und grau.

Magie beginnt eben nicht mit einem angeblichen Geheimwissen das sich aus jeder Nische des Internets saugen lässt und ebenso wenig mit einem Terminus der eigentlich aus einem fremden Kulturkreis gerissen wurde, dessen Zusammenhänge und Ableitungen sich nur schwer mit westlichen Ideologien begreifen lassen. Ich finde das nicht sehr weitsichtig.

Natürlich möchte ich nun niemandem in seinen Glauben pfuschen.
Wenn man die Interpretation des höheren Selbst vertreten möchte, um beim Beispiel zu bleiben,
steht dies natürlich jedem frei.
In meinen Augen handelt es sich hierbei um Modellvorstellungen, die eigentlich sehr dehnbar sind und eher einen Ansatz der Betrachtung als eine wirkliche Erklärung darstellen.
Das darf jeder selbst entscheiden.

Was ich jedoch nicht gut finde ist den Menschen solche Bezeichnungen aufzuschwatzen, weil es eben gerade modisch ist.
Es mag wesentlich länger dauern eigene Ansätze auszubilden in dem man persönliche Erfahrungen rückwirkend analysiert, aber ich halte diese Methode sowohl für gehaltvoller als auch lebensnäher.

Auch die klassischen Begriffe selbst sind eigentlich sehr simpel.
So bedeutet auch Chakra nichts anderes als Rad und Ki meint Lebenskraft.
Die Kulturen die diese Begriffe ausprägten kannten selbst also durchaus eine gewisse sprachliche Einsichtigkeit. Allerdings mutet es natürlich aufregend und exotisch an fremdartige Begriffe mit esoterischen Vorstellungen zu belagern.
Aber ob man so wirklich an Überblick gewinnt oder sich in Eigenwelten isoliert....

Die beste Erklärung ist eben meist die einfachste.
Damit meine ich nun nicht plump aber die Klarheit sollte wichtiger sein als eine sensationelle Verpackung. Mut zur Einfachheit könnte man es nennen.
Wir verstehen die Dinge nicht wirklich besser wenn wir ihnen fremde Namen geben, die nur noch aus Klängen bestehen und dazu führen dass wir sagen können "Ha, ich kenne mich eben aus!".

Es ist ein Unterschied ob man die Teile eines Bildes die in dir aufkommen ihren Eigenschaften gemäß benennt um nach ihnen zu greifen, oder ob wir alles in vorgefertigte Schablonen pressen die von anderen gezimmert wurden und dabei immer wieder eine Ecke von ihnen abbrechen, nur damit es am Ende das Bild ergibt welches andere vorgezeichnet haben.

Mir tut es fast weh jeden Traum zu einem Abziehbildchen zu schrumpfen statt der eigenen Seele mit einer gewissen Fantasie zu begegnen.

So sehe ich das eben.

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