Erleuchtung?
Erleuchtung ist wohl der spirituelle Begriff mit der größten Grenzwertigkeit von allen.
Die bloße Erwähnung kann bei IchmöchteeigentlichkeinEsoterikersein-Spiritisten bereits einen ausgeprägten Kneifzangenreflex auslösen.
Was sehr verständlich ist wenn man bedenkt dass diesem Terminus ein außergewöhnlich langer Rattenschwanz an Chauvinismus anhaftet.
Einerseits gibt es also eine stetig an Beliebtheit gewinnende Riege von selbst(v)erklärten Gipfelstürmern mit mangelnder Bodenhaftung welche diesen Ausdruck in berechtigten Verruf bringen, auf der anderen Seiten fühlen sich durch diese Ablehnung auch eine Menge Leute zum schweigen genötigt die solche Zustände tatsächlich erfahren haben.
Das sind gar nicht mal so wenige.
Verständlich dass sich einige lieber über ihre Erfahrungen ausschweigen weil sie nicht mit der heiteren Esoteriktante von Gegenüber gleichgesetzt werden möchten, welcher man das Prädikat "leicht vertrottelt aber nett" andichten könnte.
Aber nicht jeder Mensch der die Erleuchtung erfahren hat wurde Opfer seiner eigenen spirituellen Hybris.
Wobei Erleuchtung natürlich auf einem sehr wackeligen Konsens steht.
Wenn man das neutralisieren möchte kann man sich einfach mit der Bezeichnung "Bewusstseinsveränderung" erleichtern.
Wobei man natürlich einwenden könnte das begriffliche Relativierungen außer einer veränderten Präsentation auch keinen großen Unterschied machen.
Aber die Ideologie hinter diesem Semantik-Spagat ist gar nicht mal so konturlos unverschieden.
Erleuchtung bestimmt nämlich eine Bewusstseinserhebung während sich die Bewusstseinsveränderung begrifflich selbst erklärt.
Aber steckt da nicht das selbe dahinter, nur in einem etwas subtilerem Kleid?
Nö.
Es ist nämlich eine fälschliche Annahme Bewusstseinsentwicklung wäre etwas lineares mit klar geregelten Etappen.
Der Geist des Menschen ist durchaus veränderlich, kennt aber dabei kaum Richtwerte um die Qualität seiner Entwicklung zu etikettieren.
Wir sind eben keine Dampfmaschinen die mit zunehmendem Druck immer leistungsfähiger werden. Es gibt keinen spirituellen Pferdestärken.
Eher könnte man uns mit wild wuchernden Pflänzchen vergleichen, die nur eine einzige Maxime kennen: Entfaltung.
Das ist eine sehr persönliche Angelegenheit.
Einen olympischen Gedanken in Form von "höher, schneller und weiter" kann man auf die spirituelle Entwicklung nicht anwenden. Das ist bei allem Respekt vertrottelt.
Denn das jemand weiter entwickelt wäre, impliziert ja die Annahme das wir alle das selbe Ziel hätten. Dem ist jedoch nicht so.
Auch gibt es kaum eine geradlinige Entwicklung der Spiritualität.
Man erreicht keine Grenzmarke und erfährt plötzlich ein Levelup, nach dem man dazu aufgefordert wird Punkte auf dem persönlichen Skill-Tree zu verteilen.
Eher ist es ein Tänzchen bei dem man immer wieder 2 Schritte vor wagt und anschließend wieder einen zurück macht. Bewusstseinsveränderungen sind nämlich häufig sehr intensiv bei ihrem Aufkommen bis sie abschließend wieder sanft abklingen oder auch abrupt ausfallen.
Welches Résumé man für sich persönlich letzten Endes aus diesen Erfahrungen zieht und wie sehr diese einen Verändert, wenn man dies denn zulassen möchte, ist eine höchst individuelle Angelegenheit.
Natürlich muss man mir dies nun nicht glauben.
Aber ich bin mir meiner Sache sehr sicher. :p
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